Auflösung & erneute Wiederauferstehung
Die Auflösung
Die politischen Ereignisse des Jahres 1933 wirkten sich natürlich auch auf Elkenroth aus. Vikar Kühnen (Mitglied der Zentrumspartei) äußerte sich mehrmals öffentlich gegen die Nationalsozialisten, womit er sich den Hass etlicher Mitglieder der NSDAP zuzog. Mehrmals musste er vor Übergriffen geschützt werden.
Im Sommer 1933 änderte Vikar Kühnen seine Meinung zu den Nationalsozialisten. Ein möglicher Grund dafür war, dass ihm sonst das Konzentrationslager in Siegburg gedroht hätte.
Im Frühsommer 1933 begann der Druck der nationalsozialistischen Machthaber auf die katholischen Vereine und Verbände. Auf Wunsch des Vorsitzenden des Kirchenvorstandes gab der JVE alles Material, was der Kirchengemeinde gehörte zurück.
Am 1.Juli beschlagnahmte die Polizei alles, was dem JVE gehörte. Alles war an Ort und Stelle untergebracht. Man hatte wohl geahnt, was kommen würde. Jedenfalls hatten drei junge Männer vom Vorstand Tage zuvor einen Großteil des Eigentums des JVEs und des Paramentenvereins in einer Scheune versteckt.
Unterdessen lief das Vereinsleben in seinen gewohnten Bahnen. Anfang August jedoch erhielt Vikar Kühnen die Nachricht von seiner Versetzung nach Nordamerika. Die Abschiedsfeier gestaltete sich zu einem Zeugnis seiner Beliebtheit in der Gemeinde. Drei Jahre hatte er gewirkt und bleibende Spuren hinterlassen. Der Jungmännerverein erlebte während dieser drei Jahre einen unglaublichen Aufschwung und stand in höchster Blüte.
Im Oktober 1933 wurde der neue Präses (Pater Dietz) eingesetzt. Im Spätherbst 1933 wurden die meisten kirchlichen Vereine aufgelöst und verboten, darunter auch die Jungmännervereine, da diese der Ausbreitung der “Hitlerjugend” im Wege standen.
Die erneute Wiederauferstehung
Es dauerte bis 1948 bis unter Führung von Robert Meyer (Pfarrverwalter) eine Neugründung des JVEs ins Auge gefasst wurde. Zur Gründungsversammlung erschienen fast alle jungen katholischen Männer Elkenroths und beschlossen einstimmig die Wiedergründung des JVEs. Erster Präfekt wurde Josef Brenner, der den Monatsbeitrag auf 10 Pfennig festsetzte.
Es wurde ein Theaterstück aufgeführt, das die leere Kasse etwas auffüllte (400 DM). Mit diesem Geld wurde ein Jugendraum im Pfarrhaus renoviert und ausgestattet. Der Erlös einer zweiten Aufführung (in Marienstatt) wurde zur Vergrößerung der Orgel gestiftet.
Im Juni 1949 wurden der Trommlerkorps und der DJK wieder gegründet. Dadurch begann der Streit zwischen der DJK und dem Sportverein wieder. Die DJK reklamierte das Sportgelände als ihr Eigentum und machte geltend, dass sie dies erst jetzt nach Neugründung tun könne. Der Streit eskalierte und der JVE stellte den Fußballbetrieb im Frühjahr 1950 wieder ganz ein. Nicht geklärt war jedoch nach wie vor die Eigentumsfrage. Der JVE verzichtete zugunsten der Kirchengemeinde auf das Terrain. Die aktiven Fußballer traten zum Sportverein über und dies bedeutete das Ende der DJK in Elkenroth.
Die 1950 bis 1970-er Jahre
Am 23. und 24. September 1950 wurde mit zweijähriger Verspätung das 40-jährige Bestehen gefeiert. Der JVE stiftete ein vier Meter hohes Holzkreuz, das auf der “Hoh”, dem Hasselichskopf, aufgestellt wurde. Das Leben in Deutschland begann sich zu normalisieren und auch das Leben im JVE pulsierte wieder. Im Winter 1952/53 wurde die Bildungsarbeit wiederbelebt.
1954 hatte der Verein bereits wieder 113 Mitglieder. Ende der 50-er Jahre erlebte der Karneval beim JVE einen enormen Aufwind. Der Rosenmontag wurde der Tag des JVEs. Sogar bis heute finden die großen Prunksitzungen am Rosenmontag statt.
In den Jahren 1957 und 1958 beteiligten sich zahlreiche Mitglieder des Vereins am Bau des neuen Pfarrhauses neben der Kirche. Im November konnte das 50. Stiftungsfest gefeiert werden. Eine Woche später wurde das Holzkreuz auf der „Hoh“ erneuert, da das alte Kreuz baufällig und morsch geworden war.
Von 1959 bis 1962 entstand eine Pause im Vereinsleben. Im Januar 1962 fand auf Drängen des Präses (Pfarrvikar Robert Meyer), wieder eine Versammlung statt. Es wurde ein neuer Vorstand gewählt, der mit einem Minusbestand von 40 DM an die Arbeit ging. Der Vorstand machte den Vorschlag zwei neue Glocken zu den vorhandenen beiden hinzuzukaufen und erklärte sich im Namen des Vereins bereit eine der beiden zu bezahlen. Während des 2. Weltkrieges mussten drei der vier vorhandenen Glocken abgegeben werden und wurden zu Kriegsmaterial umgeschmolzen. Eine konnte nach dem Ende des Krieges von der Kirchengemeinde Herdorf gekauft werden.
Um aus dem Glocken-Duo wieder ein Quartett zu machen, entschloss sich der Jungmännerverein zu diesem Schritt und fand dabei großen Anklang im Dorf. Es folgte eine Reihe von Karnevalssitzungen. Anfang März 1966 zum Beispiel wurde eine Karnevalsveranstaltung durchgeführt, die sich sehen lassen konnte. Die Westfälische Rundschau schrieb von einer Fastnacht der Spitzenklasse. Dazu begrüßte man den Schlagerstar Roswitha, die aus Rundfunk und Fernsehen bekannt war und für die Füllung der eingerichteten „Glockenkasse“ kostenlos sang.
Um diese Kasse weiter zu füllen, lud die Pfarrjugend am Palmsonntag zum Theaterstück „Der Mann am Strick“ in den Saale Schütz ein. Als Eintritt verlangte man einen freiwilligen Betrag, der den Glocken zu Gute kam. Eine weitere Karnevalsveranstaltung und Haussammlungen machten dann im Juli 1967 die Einweihung der beiden neuen Glocken möglich. Insgesamt steuerte der Jungmännerverein 7000 Mark bei.
Im Jahre 1968 feierte der Jungmännerverein sein 60-jähriges Bestehen zusammen mit der CAJ, die sich 1958 innerhalb des JVEs als Untergruppe gebildet hatte. Die CAJ trat seitdem mit vielen Aktionen getreu dem CAJ-Grundsatz „Sehen – Urteilen – Handeln“ an die Öffentlichkeit. Natürlich wurde dieses große Jubiläum gebührend gefeiert. Es gab ein buntes Rahmenprogramm mit dem ersten Damenfußballspiel in der Geschichte Elkenroths und mit einem großen Festumzug, bei dem die Rhönrad-Turner der DJK eine Attraktion darstellten.
Am 27. Dezember 1970 wurde in Elkenroth zum ersten Mal ein Eltern- und Altennachmittag vom Jungmännerverein ausgerichtet. Alle Eltern der Jugendlichen und alle alten Bürger der Gemeinde waren dazu eingeladen. Es wurden Darbietungen vorgeführt, die an die großen Karnevalsveranstaltungen der Jugend erinnerten.
Seit jeher wird Kaffee und Kuchen kostenlos angeboten und auch der Musikverein „Harmonie“ gestaltet diesen feierlichen Nachmittag mit. Nach 37 Jahren wird dieser Nachmittag immer noch vom Jungmännerverein veranstaltet und noch immer lautet das Motto: „Jungmänner bereiten Senioren schöne Stunden“.